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Ausgabe 7 - Seite 9 - Praecos Kinderseite |
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Ausgabe Nr
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Ausgabe Nr. 07/2011 |
Webmagazin /
Webzeitung für Freunde des Mittelalters |
Sonntag, 14. August 2001 |
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Geburtstag im Mittelalter |
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Auf unseren Kinderseiten geht es
diesmal um einen ganz besonderen Tag. Es ist der Tag, an dessen Vorabend dir
das Einschlafen stets schrecklich schwerfällt. Denn du weißt, dass der
nächste Tag sich nur um dich dreht. Es wird Kuchen geben, Besuch und
Geschenke. Was ich meine, ist dein Geburtstag. Jede Familie feiert ihn etwas
anders, aber viele doch ähnlich. Woher kommt eigentlich der Brauch, seinen
Geburtstag zu feiern und warum wird er so gefeiert, wie wir es tun? |
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Bereits im alten Ägypten, Rom und
Griechenland kannte man einen genauen Kalender und alten Quellen ist
zu entnehmen, dass wohl auch das Feiern von Geburtstagen bekannt
war. Dort werden aber nur die Geburtstage von wichtigen
Persönlichkeiten genannt und so könnte man vermuten, dass nur diese
als wichtig genug erachtet wurden, um ihren Ehrentag zu feiern.
Vielleicht machten aber auch bereits in einfachen Familien die
Angehörigen den Geburtstag zu einem besonderen Tag, nur wurde
darüber nichts aufgeschrieben. Bereits damals wurden Lichter
entzündet, die allerdings zusammen mit Geschenken als Opfergaben an
Götter und Schutzpatrone galten. Denn damals glaubte man, dass bei
jeder Geburt ein übermächtiges Wesen anwesend war und so wurde dem
zu Ehren ein jährliches Fest gefeiert. Geschenke für das Geburtstagskind und Kerzen
auf den Geburtstagkuchen gibt es erst seit der Neuzeit. |
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Die entstehende christliche Kirche lehnte den
Brauch des Geburtstagsfeierns ab, für sie war das ein heidnischer
und dämonischer Brauch. Dies meinten die Christen vielleicht, weil
früher der Geburtstag in engem Zusammenhang mit Astrologie und
Horoskopen stand. Diese setzen sich mit dem Glauben auseinander,
dass der Stand der Sterne am Tag der Geburt das eigene Schicksal
bestimme. Die Bibel lehnt diesen Gedanken ab, weil laut dem
christlichen Glauben allein Gott das Schicksal der Menschen lenke.
Um die Menschen stärker an die Kirche zu binden, wurden Kindern bei
ihrer Taufe oft der Name des Heiligen gegeben, dem dieser Tag im
Kirchenkalender gewidmet war. Da die Kirche nur den Tauftag, nicht
aber den Geburtstag der Kinder in ihren Kirchenbüchern eintrugen und
der einfache, ungebildete Mensch im Mittelalter keinen Zugang zu
einem Kalender hatte, wurde lange Zeit der Tauftag, der gleich dem
Namenstag war, wichtiger als der Geburtstag. Auch stand der
Geburtstag in keinem Bezug zur Kirche, während die Taufe den sehr
gläubigen Menschen des Mittelalters, erst den möglichen Einzug in
das himmlische Reich nach ihrem Tode versprach. |
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| Die einfachen Leute kannten normalerweise
vielleicht das Jahr und auch noch die Jahreszeit, zu der jemand
geboren wurde. So sprach man dann zum Beispiel davon, dass jemand 12
Sommer oder 20 Winter alt war. Oft wussten sie aber selbst dies
nicht genau und es war auch nicht so wichtig wie heute. So blieben
über lange Zeit Geburtstagfeiern eher den adligen, gebildeten
Schichten vorbehalten, die mit prachtvollen Geburtstagsfeiern häufig
ihren Reichtum und ihre Macht beweisen wollten. Erst im 19. und 20.
Jahrhundert wurden Geburtstagsfeiern in allen Bevölkerungsschichten
bekannt und beliebt. Auch heute werden in manchen katholischen
Familien weiterhin die Namenstage gefeiert, in anderen Familien
kennt man diesen Brauch gar nicht mehr. |
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Einen Kindergeburtstag, wie
wir ihn heute feiern, kannte man im Mittelalter also noch gar nicht.
Aber ihr könnt heute euren Geburtstag so feiern, wie man es
vielleicht im Mittelalter getan hätte.
Als Einladung könnt ihr alt
aussehendes, marmoriertes Papier benutzen, auf das ihr in
verschnörkelter Schrift den Tag der Feier und die Uhrzeit schreibt.
Dann rollt ihr das Papier zusammen und verklebt es mit einem dicken
Tropfen Wachs oder bindet ein hübsches Band darum.
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Zum Essen könnt ihr
kleingeschnittenes Obst anbieten oder ihr macht ein Lagerfeuer und
bereitet gemeinsam Stockbrot zu. Als Rezept könnt ihr eigentlich
jedes Brotteigrezept benutzen; ich mag Stockbrot am liebsten aus
süßem Teig.
Zum Basteln könnt ihr große
Schilder aus stabiler Pappe ausschneiden, die dann jedes Kind mit
seinem Lieblingstier oder Ähnlichem bemalen darf. Auch einen
einfachen Ritterüberwurf könnt ihr euch herstellen, hierfür nehmt
ihr einfach ein passendes Tuch, in welches eine Kopföffnung
geschnitten wird, eine Kordel um den Bauch und fertig ist euer
Gewand. |

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Als Spiele könnt ihr Fangen und
Verstecken spielen, Blinde Kuh und Brezel-schnappen,
hierfür hängt ihr Salzbrezeln an einer waagerechten Schnur auf.
Diese muss so hoch gehängt werden, dass ihr die Brezeln gerade noch
mit dem Mund erreichen könnt, wenn ihr auf Zehenspitzen steht. Dann
beginnen alle gleichzeitig, mit den Händen auf dem Rücken, zu essen
und wer zuerst seine Brezel verputzt hat, gewinnt. Auch eine
Burgeroberung bringt Spaß. Die geht so: Ein großer Pappkarton
wird offen auf einen Platz gestellt, dann wird ein engerer und ein
weiter Kreis darum gezogen. Die Kinder werden in zwei Mannschaften
aufgeteilt, eine, die die Pappburg verteidigt und eine, die
versucht, sie zu erobern. Die verteidigende Mannschaft stellt sich
um den inneren Kreis und schützt diese mit ihren Pappschildern. Die
angreifende Mannschaft versucht möglichst viele Tennisbälle in die
Burg zu werfen, die Anzahl sollte notiert werden. Dabei darf der
äußere Ring nicht überschritten werden. Nach einer gewissen Zeit
werden die Mannschaften getauscht und die Verteidiger werden zu
Angreifern. Welche Mannschaft trifft häufiger oder hat schneller
alle Bälle in die Burg getroffen? |
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Wenn ihr Lust habt, könnt ihr auch
einmal den Siebensprung tanzen. Das ist ein sehr alter Tanz, der zum ersten
Mal in der Renaissance niedergeschrieben wurde, aber mit Sicherheit schon
viel älter ist. Die Musik dazu findet ihr auf der
Ökotopia-CD "In 80 Tönen um die Welt". Die Schritte sind ganz einfach.
Ihr stellt euch in einen Kreis und fasst euch alle bei den Händen. Dann
wandert ihr zuerst im Kreis herum, bis es im Text heißt Zevensprong =
Siebensprung. Hier springt ihr einmal in die Luft und bleibt auf eurem Platz
stehen. Das ist der Refrain, der immer wiederholt wird. Nun folgen von 1 bis
7 immer mehr Bewegungen, die nach und nach hintereinander ausgeführt werden
müssen. Das ist bei verschiedenen Anleitungen unterschiedlich, ich kenne den
Tanz so:
Bei 1 stellt ihr den rechten Fuß vor.
Bei 2 stellt ihr den linken Fuß vor.
Bei 3 senkt ihr das rechte Knie auf den Boden.
Bei 4 senkt ihr das linke Knie auf den Boden.
Bei 5 berührt ihr mit dem rechten Ellenbogen den Boden.
Bei 6 berührt ihr mit dem linken Ellenbogen den Boden.
Bei 7 berührt ihr den Boden mit der Stirn.
Es ist ein arg lustiger Tanz, bei dem
viel gelacht werden darf.
Auf
YouTube könnt ihr euch ein Video dazu ansehen.
Und ob ihr es glaubt oder nicht, im
Mittelalter haben auch die Erwachsenen diesen Tanz getanzt. |
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Viel Spaß auf eurem mittelalterlichen
Kindergeburtstag! |
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Erscheinungsweise: Zweimonatlich |
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